Projekte

18.08.2008

Offener Brief

An die Stadtverordneten, den Magistrat, den Ortsbeirat 4 der Stadt Frankfurt am Main und an die Medien

Auf dem Naxos-Gelände könnte jetzt erstmals in Frankfurt gemeinschaftliches Wohnen in größerem Umfang ermöglicht werden. Dass wir damit den Nerv einer modernen Stadtgesellschaft treffen, hat bereits die erste Frankfurter Info-Börse für gemeinschaftliches Wohnen im Oktober 2007 in den Römerhallen in außergewöhnlicher Deutlichkeit gezeigt. Auch das große Interesse an der öffentlichen Anhörung im Römer im Februar 2008 zur partizipativen Altersplanung ist ein weiteres Indiz für den Bedarf an gemeinschaftlichen Wohnformen.

Bei der Vergabe von Grundstücken an Genossenschaften auf dem Naxos-Gelände im Frankfurter Ostend sollen Familien mit Kindern und Interessenten an Generationen übergreifendem Wohnen die gleichen Chancen haben. Erst nachdem ein CDU-Antrag dahingehend geändert worden war, hat der Ortsbeirat Bornheim-Ostend diesen am Dienstagabend einstimmig gutgeheißen und an den Magistrat weitergeleitet. Ursprünglich hatte die CDU beantragt, Familien mit mindestens zwei Kindern zu bevorzugen. Das kam bei den anderen Parteien nicht gut an. Martin Ried machte für die Grünen klar, dass diese beim Wohnen nicht kinderreiche Familien und Interessenten an Generationen übergreifendem Wohnen gegeneinander ausspielen wollten und hatte die Änderung vorgeschlagen.

Bei einem öffentlichen Workshop in sechs bis acht Wochen soll über eine mögliche Parzellierung des Baugeländes auf dem Naxos-Areal diskutiert werden. Vorerst werde eine Bestandsaufnahme des Geländes gemacht. Darauf hätte sich die Römer-Koalition diese Woche geeinigt. Das sagte Ulrich Baier (Die Grünen), stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher, bei dem symbolischen Spatenstich am 1. März 2008. Den hatten die sieben Baugruppen – unter ihnen die Baugenossenschaft  FUNDAMENT - inszeniert, die auf dem Gelände an der Wingert-, Wittelsbacherstraße im Frankfurter Ostend ihre Idee vom gemeinschaftlichen Wohnen verwirklichen wollen.

Unsere Baugenossenschaft präsentierte sich bei der 1. Frankfurter Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen am 27. Oktober in den Römerhallen. Die Wohngruppe „Frankfurter Familen“ informierte über unser erstes Haus, während die „Projektgruppe Naxos“ mit einem Flugblatt ihren Wunsch verdeutlichte auf dem Naxos-Gelände bauen und wohnen zu dürfen.

Die Gruppe schreibt in ihrem Flugblatt:

Der Gedanke einer Baugenossenschaft ist schon über 100 Jahre alt und noch immer aktuell. Weil heute wie damals die Versorgung mit Wohnungen am besten von den Betroffenen selbst organisiert wird, anstatt andere daran verdienen zu lassen. Genossenschaftsmitglieder können ihr Wohnprojekt aktiv mitgestalten. Für ihre Wohnung haben sie ein lebenslanges Wohnrecht. Es gibt keine Eigenbedarfskündigungen und keine Spekulation mit Grund und Boden. Dafür gibt es sozial verantwortbare Mieten.

Der Gedanke einer Baugenossenschaft ist schon über 100 Jahre alt und noch immer aktuell. Weil< heute wie damals die Versorgung mit Wohnungen am besten von den Betroffenen selbst organisiert wird, anstatt andere daran verdienen zu lassen. Genossenschaftsmitglieder können ihr Wohnprojekt aktiv mitgestalten. Für ihre Wohnung haben sie ein lebenslanges Wohnrecht. Es gibt keine Eigenbedarfskündigungen und keine Spekulation mit Grund und Boden. Dafür gibt es sozial verantwortbare Mieten.


Das Naxos-Projekt der Baugenossenschaft Fundament e.G.

Bereits seit Frühjahr 2006, also lange vor dem Stadtverordnetenbeschluss zur Bebauung des Naxos- Geländes vom 12.10.2006, interessierte sich Fundament für ein genossenschaftliches Wohnprojekt auf dem Naxos-Gelände, engagierte sich dafür und bewarb sich darum.

Die Naxos-Projektgruppe hat ein Schreiben an die Ortsbeiräte 3 und 4, sowie an die Mitglieder des Ausschusses für Planung, Bau und Wohnungsbau der Stadtverordnetenversammlung verfasst, in dem auf den aktuellen Stand der Beschlussfassung Bezug genommen wird. CDU und GRÜNE hatten einen Antrag auf den Weg gebracht, in dem unter anderem eine Parzellierung der Baufenster und die Berücksichtigung gemeinschaftlichen Wohnens auf dem Naxos-Gelände als ausdrücklicher politischer Wille formuliert wird. Die Naxos-Projektgruppe begrüßt diesen Antrag, der unsere Chancen und die anderer kleinerer Teilnehmer am Bewerbungsverfahren verbessern wird, und stellt nochmals unsere Haltung dar, vor allem in Bezug auf ökologisches Bauen, sowie auf soziale und kulturelle Ziele.


Naxos-Gruppe in Fundament

Die Naxos-Gruppe fand sich Anfang 2006 zusammen und bestand damals aus nur wenigen Mitgliedern. Ihnen ging es darum, nach Möglichkeit mitten in Frankfurt in einem ehemaligen Industriedenkmal ihre Vorstellungen von gemeinschaftlichem Wohnen umzusetzen. Dabei fiel das Augenmerk schnell auf das Naxos-Gelände im Ostend. Seitdem ist die Naxos-Gruppe gewachsen, hat verschiedene Arbeitsgruppen gebildet und kam ihrem Ziel ein großes Stück näher. Intern versucht sie ihre Vorstellungen von gemeinschaftlichem Wohnen zu klären, extern spielte sie im politischen Diskurs um die Zukunft des Geländes eine wichtige Rolle.

Am 12. 10. 2006 hat die Stadtverordnetenversammlung auf Initiative der Fraktionen der CDU und der Grünen beschlossen, ein Drittel der Neubebauung auf dem in städtischem Eigentum befindlichen Naxos-Gelände an gemeinschaftlich-genossenschaftliche Wohnprojekte zu vergeben. Als Ansprechpartner auf genossenschaftlicher Seite wurde das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen, ein Verband verschiedener Wohninitiativen, benannt.

Wer hat in der städtischen Wohnungspolitik das Sagen? Diese Frage stellen sich das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen und die Frankfurter Baugenossenschaft FUNDAMENT bauen wohnen leben eG. Mit einem offenen Brief haben sie sich an die Frankfurter Stadtverordneten gewandt. Darin kritisieren die Verfasser den „Ämterstreit über die Bebauung des Naxos-Areals“. „Dabei geht es wohl im Kern um eine Kontroverse zwischen dem Liegenschaftsamt und der Bauaufsicht um die Frage, wie das Gelände maximal wirtschaftlich zu verwerten ist“, vermuten Felix Schmunk vom FUNDAMENT-Vorstand und Rainer R. Tost vom Netzwerk.

Am 6.9.2006 veranstaltete die AG Naxos im Theater Willy Praml auf dem Naxos-Gelände eine öffentliche Veranstaltung, zu der circa 150 Leute kamen.

Zunächst erläuterte Lothar Reininger vom Vorstand der Baugenossenschaft FUNDAMENT, was seit der Gründung vor etwas mehr als einem Jahr schon alles passiert ist. Dann wies Rainer R. Tost vom Netzwerk gemeinschaftliches Wohnen einen Weg durch städtische Verordnungen zur Nutzung von Möglichkeiten für genossenschaftliches Wohnen.

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